Montag, 27. April 2015

Fast 250 in 30 Minuten ...


Eigentlich wollte ich nur kurz nach 9 Uhr ganz schnell 
im Regen rauseilen, um den Vögeln die Futterschälchen 
aufzufüllen. Denn es sah nicht so aus, als ob der Regen 
in den nächsten Stunden nachlassen würde. Und die paar 
kleinen Nacktschnecken, die sich auf den nassen Beton-
platten vor dem Treppenhaus tummelten, wollte ich 
einfach mal ignorieren …

Doch dann begegneten mir auf dem Weg zum Futterhaus 
auf dem Steg schon 5 kleine Schleimer. Und eine etwas 
größere Nacktschnecke war bereits  auf dem Futtertisch 
angekommen. Also entschloss ich mich dann zumindest 
die von den Betonplatten mittels welker Blätter hoch-
zunehmen. Als ich aber ca. 10 Stück in Blättern verpackt 
in der Hand hielt, wurde es allmählich unhandlich. Denn 
es war noch lange kein Ende in Sicht. Also mussten nun 
doch mal wieder gebrauchte Wegwerfhandschuhe und 
eine alte Plastik-Gemüseschale aus der Garage her.

Und ganz fix waren darin 52 meist winzig kleine 
braune Schleimer gefangen. 

Bei den meisten hatte ich sogar Mühe sie zu greifen, 
denn sie hatten im ausgefahren Zustand gerade mal 
die 1cm-Marke erreicht.

Und nach diesen Belegfotos war ich schon ziemlich nass 
und mir war kalt. Aber dann fiel mein Blick zum Glück 
auf das Podest neben dem Steg ...

So eine Schnecken-Invasion hatte ich noch nie zuvor gesehen.

Das arme Schneeglöckchen und die Bärlauch-Blättchen 
in der näheren Umgebung wurden systematisch abgeweidet.

Und die Maus sah tatenlos zu ...

Also nix mit warm duschen und trockenen Klamotten!
Rein in den nächsten Handschuh und weitersammeln. 
Im Umkreis von etwa 30cm hatte ich innerhalb weniger 
Minuten 116 kleine und etwas größere Schnecken von 
den Blättern abgestreift oder in den Tiefen des 
Schneeglöckchens bzw. in der Mulchschicht entdeckt. 

Und nun bin ich wirklich froh, dass ich die besonderen 
Schneeglöckchen in Töpfen wegen der Stegsanierung 
vor einigen Tagen lieber geteilt und umgetopft hatte. 
isoliert im Topf stand, hat eine Nacktschnecke leider 
samt Zwiebel vertilgt. Und um ein Haar hätte ich einige 
der Zwiebeln etwas weiter hinten unter die Hedi Grimm 
in die Mulchschicht gepflanzt …

hoffentlich vor den gefräßigen Gruppen-Schleimern 
gerettet hatte, befanden sich schon wieder reichlich 
Regentänzer auf dem Weg zur Glasfassade und zu
den Galanthus elwesii in Töpfen. Also suchte ich nun 
nochmals zumindest vor dem Haus und bis 20cm in 
die Wiese hinein nach weiteren Tierchen. So wurden 
aus den 52 zuvor gesammelten Schneckenkindern 
plötzlich 133 und ein Tigerschnegel. Also insgesamt 
249 gefräßige Nacktschnecken in etwa 30 Minuten - 
ohnehin schon sehr geschwächten Helleborus niger 

Ich gebe zu, einen kurzen Moment lang war ich versucht 
den Wasserkocher anzuschmeißen, um die Nacktschnecken
 mit kochendem Wasser zu überbrühen. Aber die Schnecken-
Sammelaktion von August 2002 bis zum Oktober 2003 mit 
über 9.000 getöteten Schnecken hat mich daran gehindert. 
Und so kam der Inhalt der Schale doch wieder auf den 
Hochwald-'Kompost'. In der Hoffnung, dass dort Mäuschen, 
Vögel & Tigerschnegel das Problem zumindest teilweise 
natürlich regeln werden. Und damit die Tierchen dort 
gern länger verweilen, bekamen sie gegen Mittag noch 
eine Ladung Gemüseabfälle aus der Küche …

Was mich nun allerdings nun noch beschäftigt: 
Warum war gerade der Schneeglöckchen-Tuff am Podest 
so stark befallen? Denn für ein einzelnes Gelege mit 200 
bis 400 Schneckeneiern waren es zu viele unterschiedliche 
Größen, die sich dort tummelten. Oder hat die Natur es 
nicht nur bei Zecken sondern auch bei Schnecken perfekt 
eingerichtet, dass die Tierchen erst nach und nach zu 
verschiedenen Zeiten schlüpfen?

Fotos: S.Schneider


Kommentare:

LiSa hat gesagt…

Oh mein Gott! Die hätte ich nie und nimmer wieder in Freiheit entlassen sondern sie in einen Eimer brühend heißes Wasser geworfen.
Tu tust mir echt leid mit den vielen Plagegestern.
LG und einen hoffentlich schnecken- und zeckenfreien Tag.
LiSa

Frauke hat gesagt…

Bei der Invasion wurde ich Bretter auslegen darunter sammeln sich tagsüber die Schnecke und auch zu Schnecken von Neudorff greifen oder laufenden mieten das Gärtnern aufgeben. ...denn diese Schnecken sind keine einheimischen Schnecken aber du denkst ja anders darüber. Grosse von Frauke

Frauke hat gesagt…

Sollte heißen Schneckenkorn

SchneiderHein hat gesagt…

@ Lisa & Frauke
Dann hätte ich allerdings in dem Gewirr aus Blättern & Schnecken den Schnegel suchen müssen. Den hatte ich da nämlich mit in die Schale geworfen. Und der kann nun wirklich nichts dafür …
Außerdem sind mir bis gestern schon erstaunlich viele Tigerschnegel vor allem am Haus und in der Wiese begegnet. Daher kommt für mich Schneckenkorn wirklich nicht in Frage. Und bei Nemathoden hätte ich auch Bedenken, dass die ebenfalls die Schnegel vernichten würden.
Tja, und die Sache mit dem Töten stelle ich ohnehin immer mehr in Frage -auch wenn die braunen Schleimer nicht heimisch sind …
Nur bei den Zecken kann und darf ich nicht zimperlich sein. Denn da heißt es nun mal entweder die oder wir im Garten. Bei den Schnecken hingegen muss ich nur auf bestimmte Pflanzen verzichten ;-(

Margit hat gesagt…

Du meine Güte, das ist ja eine schreckliche Plage! Glücklicherweise sind wir von solchen epidemischen Schneckeninvasionen weit entfernt. Ich wäre in so einem Fall nicht so nett und würde meine Mordgelüste ausleben. Den Tigerschnegel würde ich natürlich nicht meucheln, die anderen aber schon.
Es gibt sehr wenig Getier, das ich morden kann, nur Gelsen, Zecken und Nacktschnecken. Wenn ich mal aus Unachtsamkein auf ein Weinbergschneckenbaby trete nach dem Regen, bin ich längere Zeit sehr zerknirscht und mache mir Vorwürfe. Aber bei Nacktschnecken keinen ich kein Erbarmen.
Liebe Grüße, Margit

Dani hat gesagt…

Habe gestern auch schon die erste Schneckenwarnung rausgegegeben!
Bin zudem beunruhigt, da bei uns Regen angesagt ist und ich somit die erste große Invasion befürchte.
In Sachen Weinbergschneckenbabies bin ich allerdings auch sehr sensibel.
Liebe Grüße
Dani

Seifenfrau R hat gesagt…

Ach ja.
Da es nun seit gestern regnet, bin ich auch schon gewappnet...
Im Gemüsebeet habe ich schon mal ein bisschen Ferramol ausgestreut.

Elke hat gesagt…

Du glaubst doch nicht im Ernst, dass die in deinem Hochwald-Kompost bleiben? Ehrlich gesagt, ich habe noch nie Scnecken eingesammelt und werde auch nicht damit anfangen. Aber wenn, dann würde ich sie sicher auch vernichten. Alles andere macht wenig Sinn (es sei denn man wirft sie dem Nachbarn übern Zaun *gg*. Nee, ist nicht ernst gemeint.)
Lieben Gruß
Elke

Doro hat gesagt…

....des Gärtners Albtraum,den Du da erlebt hast....ich bewundere Deine Vorgehensweise und Dein Wissenschaftliches Interesse- ich wäre auch für die Heisswasservariante gewesen....gibt Doro zu

SchneiderHein hat gesagt…

@ Margit
Mordgelüste hatte ich 2002 und 2003 als ich je 100 Nacktschnecken in 1 Liter-Glasflaschen eingeweckt hatte und dann nach 900 Tieren an einem Tag ein echtes Entsorgungsproblem bekam ...

Irgendwann musste ich feststellen, dass es mich immer mehr Überwindung kostete, bis ich dann wirklich Skrupel bekam, mit welchem Recht ich so massiv in ein System eingreife, an dem ich eine nicht unerhebliche Mitschuld trug: Staudentöpfe ohne vorherige Kontrolle auf Schnecken & Eier in den Garten zu pflanzen, gut und häufig fast den ganzen Garten wässern und dann noch mulchen. Klar, dass ich damit dann auch noch die Schnecken aus den immer trostloser werdenden Nachbargärten zu uns einlud …

Inzwischen reicht es mir wirklich, dass ich nun systematisch Zecken vernichten muss. Aber da heißt es nun entweder die oder wir. Wenn sie nicht voller Krankheitserreger stecken würden, könnte ich mich wohl sogar auch mit ihnen noch arrangieren.
Und ich muss ganz ehrlich zugeben, wenn ich selbst mein 'Fleisch' töten müsste, dann wäre ich schon längst Vegetarier!

In wie weit das mit den Tigerschnegeln als Schneckenvertilger stimmt, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die Wirkung der Zeckenrollen auf unsere Zeckenpopulation. Aber beide Probleme halten sich eben erstaunlicherweise in handhabaren Grenzen. Daher wandern die Nacktschnecken jetzt auch nur auf den Hochwaldkompost. In der Hoffnung, dass die Schnegel das im Laufe der Zeit regeln …

@ Dani
Bei uns zeigte sich nun mal, wer alles hungrig im Untergrund wartete. Aber im Vergleich zum August2002, als ich nach dem langen heißen Sommer beim einsetzenden Regen 900 Schnecken an einem Tag im Garten aufsammelte, war das am Wiesenrand noch recht harmlos ;-)

@ Gine
Na ja, wegen der Schnegel denke ich da halt' anders …

@ Elke
Stell' Dir vor, ich bin der Meinung, dass ich damit das Problem zwar nicht beheben, aber etwas eindämmen kann. Denn auch im letzten Jahr, als ich nach ca. 50 Schleimern am Wiesenrand keine Lust mehr hatte, war das Problem zwar nicht behoben, aber hatte sich merklich gebessert. Außerdem verschlechtert sich das Futterangebot in der Wiese schon bald nach der Zwiebelblüte. Nur die Kaukasus-Vergißmeinnicht leiden fast immer. Die gehören bei uns wohl leider nicht mehr in den Garten …
Um den Hochwald-Kompost herum ist es ziemlich trocken. Also eine echte Durststrecke für Schleimer. Zumindest haben sie sich für die Weiterreise zunächst gestärkt ;-) Und im näheren Umkreis befinden sich jetzt nur noch Pflanzen, an denen sie kaum Schaden anrichten können. Außerdem bin ich gespannt, ob die Schnegel, die sich seit 2011 gut vermehrt haben, doch eine natürliche Waffe gegen die rot-braunen Schleimer sind. Jedenfalls finde ich immer häufiger Schnegel in der Nähe von den anderen Tierchen …

@ Doro
Mein gärtnerischer Albtraum war im Sommer 2011 das Zeckennest am Wiesenrand vorm Haus, wo ich verhüllt und eingenebelt die Pflanzen fast bodenbündig runterschnitt, dabei fast ständig Zeckenlarven auf den Handschuhen und den Gummistiefeln hatte, wir das Material dann verfeuerten, und ich danach die Flächen 3x im Abstand von einer Woche dann mit dem Zecken- & Grasmilbenkonzentrat behandeln musste. Und das, nachdem ich wegen meiner Wanderröte kurz zuvor meine Antibiotik-'Kur' mit einigen Neben - & Nachwirkungen hinter mich gebracht hatte. Und dann noch das ungute Gefühl, dass auch Zeckenlarven auch schon Borrelien durch Vererbung in sich tragen können.
Da sind 250 kleine Schnecken im Regen, die sich über verblühte Schneeglöckchen und Kaukasus-Vergißmeinnicht hermachen echt harmlos ...