Freitag, 4. Mai 2012

ein seltener Blickwinkel




Früher haben wir diesen Anblick zur Tischgruppe in der Wiese
häufig genossen. Gerade an weniger warmen Tagen war es mit
der Teichmauer im Rücken auf der Bank sitzend ein lauschig
gemütliches Plätzchen
. So, wie man es sich nach der Lektüre
von Gartenzeitschriften wünscht. Doch seit einigen Jahren
schwingt nun bei über 5° Celsius immer ein komisches Gefühl
mit: Da haben uns diese und diese Tierchen im Laufe der Zeit
um zwei herrliche Sitzplätze im Garten gebracht
. Aber des-
wegen den Garten nun komplett zupflastern? 

So ein Garten, wie er dem Permakultur-Blog gezeigt wird,
wäre wahrscheinlich ein zeckensicherer Garten. Allerdings
widerspricht so ein zugepflastertes Gartenkonzept unserer
Gartenvorstellung ...

Foto: S.Schneider


Kommentare:

Borkergarten hat gesagt…

Hallo Silke,
das Leben besteht nun mal aus Kompromissen. Was nutzt der schönste Natur nahe Garten, wenn ich ihn nicht nutze. Es reicht doch, dass wir bei Spaziergängen in freier Natur Angst vor Zecken haben. Müssen wir das auch noch im eigenen Garten haben? Aber auf der anderen Seite, es ist unser Garten, er muss unseren Vorstellungen entsprechen. Wenn der Garten Zecken frei ist, uns aber nicht gefällt, was wollen wir dann damit. VG Manfred

SchneiderHein hat gesagt…

@ Manfred
Du sagst es! Und ich bin froh, dass wir den Garten einige Jahre so unbeschwert benutzen und genießen konnten. Gerade gestern hat mir Wolfgang wieder von einem verwilderten Grundstück erzählt, dass er als Kind so spannend fand. Und je aufgeräumter es wurde um so weniger machte es ihm Spass sich dort aufzuhalten. Auch bei mir war das so. Denn der Siedlungsgarten meiner Großeltern war auch das langweilig gepflegte Stückchen Land: Edelrosen rund um den Rasen schön in Reihe gepflanzt. Und im Herbst wurde recht früh alles runtergeschnitten, damit der Frost nicht die letzten Blüten kappte. Die Beete ordentlich mit Torf abgedeckt, dazu viel Umgraben und Gift spritzen. Erst ab Anfang der 80er änderte sich die Einstellung und seitdem gestalten meine Mutter und ich den Garten um. Der Garten in Braunschweig ist kleiner als unser in Hannover, aber unserem trotzdem sehr ähnlich. Und auch dort fühlen sich immer mehr Igel und Mäuschen wohl. Auch mit den Nacktschnecken bekam meine Mutter zwar später, aber dann auch ziemlich heftig Probleme - sie tötet allerdings immer noch. Und nun haben sie in diesem Jahr bereits auch 2 Zecken erwischt, ich hatte 2 bei ihr im Garten entdeckt und wahrscheinlich 2 mit geshreddertem Material und einem Birkenast nach Hannover eingeschleppt ...

Wahrscheinlich war es wirklich der billige Rindenmulch, den wir vor Jahren in beiden Gärten verwendet haben, mit dem wir uns die ersten Zecken in die Gärten geholt haben. Ebenso wie die Schnecken in den gekauften Blumentöpfen. Und nicht nur wir. So Ende der 90er und Anfang 2000 haben viele in der Nachbarschaft angefangen ihre Bette mit billigem Baumarkt-Rindenmulch abzudecken. Inzwischen sind die Tierchen nicht nur in unseren Gärten, sondern
auch in der Nachbarschaft. Dort wird nur weniger genau hingeschaut!

Hätte ich nicht im letzten Jahr die Geschichte von einem Betroffenen in der Eifel gelesen, so wäre mir wohl auch noch nicht aufgefallen, was in unserem Garten los ist. Gut, das Zeckennest am Wiesenrand hätte ich wohl im letzten Sommer doch irgendwann bemerkt. Aber ich muss trotzdem sehr genau 2 bis 3x am Tag die Wiese betrachten, um täglich 2 bis 5 Zecken dort auf den Halmen zu finden. Sie bleiben wirklich lange unentdeckt. Und als ich hier in einem Post von 2007 den kleinen zeckenbesetzten Igel zeigte, hatte ich mich noch zeitgleich mit unserem Tierarzt unterhalten, dass das wohl Natur sei und man ihm ja nicht wie unseren Katzen alle 4 Wochen Frontline geben könnte ...

Das Zeckenproblem ist ein schleichender Prozeß, der wohl nur schwer aufzuhalten ist.
Und wenn ich mir die unsere Blog-Statistik ansehe, dann geht es uns mit dem Problem nicht alleine so. Fast jeden Tag seit Mitte März stehen an den ersten 5 Stellen Posts zu Thema Zecken. Es scheint reichlich Gartenbesitzer mit dem Problemen zu geben, die verzweifelt nach Lösungen suchen. Oder sich noch unsicher sind, wie Nester, Larven und Nymphen überhaupt aussehen. Nur kaum einer traut sich darüber zu reden oder zu schreiben. Dabei ist es wohl wirklich wichtig, dass sich das Gartenverhalten und die Gärten den neuen Umständen anpassen. Nicht nur die Nacktschnecken und allerlei andere Pflanzenschädlinge sind des Gärtners Feinde ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Manfred Teil 2
Nur nachdem ich ja nun schon mehrfach vollgesogene Zecken luftdicht in Filmröhrchen verpackt hatte. Und in der Sommerröhre sogar noch am 28. Dezember 2011 Larven darin krabbelten, gibt es wohl kaum einen Ort, wo sie nicht überleben können. Inzwischen gibt wohl eine Studie, dass Zecken sogar im Vakuum überleben können. Und mehrere Tage unter Wasser ja sowieso. Ebenso können sie bis 40° gewaschen werden und der Gefrierschrank ist auch kein Problem! Egal ob der Garten aufgeräumt oder etwas wilder ist, den Zecken ist anscheinend jeder Ort recht, wo Mensch & Tier sich aufhalten. Denn selbst an der Tischgruppe mitten auf der sonnigen Betonfläche saßen schon häufiger Zecken auf den Stühlen oder mit am Tisch: Sie nehmen unsere Katzen als Transportmittel, doch deren Fell ist mit Frontline zu unangenehm, also springen sie dann dort wieder ab, wo es so schön nach Mensch riecht und warten dort auf uns ...
Sicher vor Zecken sind wir weder dort auf der sonnigeren Betonfläche noch im Haus. Das ist der Nachteil, wenn man Katzen hat. Aber dadurch wird man wohl auch eher dafür sensibilisiert, was im eigenen und den umliegenden Gärten schon los ist :-(
Unser Motto heißt jetzt 'mit Zecken leben lernen' ...

Barbara hat gesagt…

Ja, mit Zecken leben lernen, das genau müssen wir auch tun, denn unser Garten liegt auch in einem sehr Zecken gefährdeten Gebiet und wir werden immer wieder aufgefordert uns impfen zu lassen. Ich versuche nach jedem Gartenarbeitstag genau nachzuschauen, ob sich nicht eine wieder zu mir verirrt hat. Eure wunderschöne Sitzecke würde ich deswegen niemals aufgeben...aber vorsichtig sein schon!
Liebe Grüsse,
Barbara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Barbara
'Nach einem Gartenarbeitstag' ist definitiv zu wenig, auch wenn uns eine Reihe von Medien das so mitteilen. Manchmal saß in der Anfangszeit schon nach 2 bis 3 Stunden ein Tierchen auf uns fest. Bei für sie angenehmen Temperaturen sind sie erstaunlich schnell. Daher kontrollieren wir uns inzwischen wesentlich häufiger. Möglichst gleich nach dem kurzen Aufenthalt auf dem Trampelpfad usw. damit wir sie gleich noch auf der Kleidung abfangen können. Aber was sich trotzdem im Haaransatz abspielt, wen ich mal mit dem Kopf an die Sträucher komme!? Nymphen konnten wir dort noch nie erkennen. Doch da war bestimmt schon das ein oder andere Tierchen ...

Aber dann spricht bei Euch doch auch einiges gegen Rasen ;-) Denn auf gepflasterten Flächen lebt sich doch etwas sicherer - vor allem wegen eventueller Nester! Wir hatten nämlich so um 2005 ein Zeckennest unter dem plattgetrampelten Gartentisch in der Wiese (damals war das Gras noch niedriger). Die Zecken legen wohl gern ihre Eier strategisch günstig ab. Denn da krabbelten bei mir an den Beinen so um die 30 Larven hoch. Nur damals wusste ich nicht was das war. Und bis gestern hatte ich das auch tatsächlich mal vergessen ...

FSME-Fälle tauchen hier in der Region inzwischen auch auf. Aber da hoffe ich, dass wir vorerst 'nur' mit Borreliose Probleme haben!