Samstag, 12. Mai 2012

ein Garten sieht Rot




















Der große Rhododendron hinter dem Tisch in der Wiese stand
als Erbstück schon lange im Garten, bevor mit uns der Wildwuchs
eingezogen ist. Wahrscheinlich wurde er Mitte der 70ger gepflanzt
und müsste nun über 35 Jahre alt sein. In den ersten Jahren hat
sein intensives Magenta-Rot die Idealvorstellung vom weiß-blauen
Garten noch so gestört, dass es Überlegungen gab, jede einzelne
Knospe vor der Blüte rechtzeitig auszuknipsen. Er ist noch immer
die größte Fehlfarbe im Garten. Jetzt im Mai sind seine auffälligen
Blüten
sogar vom Bett aus unübersehbar und ständig ist er direkt
im Blickfeld.


Aber inzwischen ist er doch viel mehr als nur immergrünes Füll-
material, und unser Natur-Thermometer in der kalten Jahreszeit.
Man kann an ihm die frostige Außentemperatur erahnen - je
nachdem, wie weit die Blätter schmal nach unten hängen oder
sich bei Wärme allmählich wieder aufrichten. 

Seit einiger Zeit warten wir im Frühjahr auf den ersten Blüten-
ansatz, zählen die Knospenzapfen und freuen uns auf die üppige
Blütenpracht. Es scheint eine Art Gesetz zu geben, dass Fehl-
farben oft besser gedeihen als die so sorgfältig geplanten
Wunschkandidaten ...


So hat der Rhododendron in all den Jahren seinen Standort
am Waldrand
gut behauptet, ist fast unbeschadet durch Frost
und Trockenheit gekommen und bietet eine stabile Rank-
unterlage für Rosen. Jahrelang hat sich eine weiße Moonlight
von Pemberton durch die Äste gekämpft, um nach dem harten
Winter fast komplett abzusterben. Sie ist eben eine der
weißen Wunschrosen.


Dafür überrascht uns jetzt Jacqueline du Pré, die wir eigentlich
als halbhohe Strauchrose kennengelernt haben. Sie hat das
neue Lichtloch nach der Fichtenfällung im Dezember sofort
genutzt und die Rhodendronspitzen in knapp 2 Metern längst
erklommen. Nun breiten sich ihre hellgrünen Zweige oben immer
weiter aus. Bis dann dort ihre ersten rahmweißen Blütenkelche
mit den roten Staubgefäßen den Kontrast zu den weitleuchtenden
Rhododendron-Dolden bilden. Diese glühen in diesem Jahr noch
intensiver im Purpur-Rot, da sie nun mehr Sonnenlicht erhalten.

Fotos: SchneiderHein


Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Wir haben mit unserem Haus auch einige Rhododendren übernommen, die ich in diesen Farben nienienie gepflanzt hätte. Aber nun mag ich sie und bin froh, dass das "Schicksal" da mitgegärtnert hat.
Nur die gelben Edelrosen, die wir mitgekauft haben, die werden nach und nach weggepflegt...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Claudia
Bei mir wurden die roten Rosen, die im Garten standen an die Ostgrenze gepflanzt/verbannt. Dort gefielen sie mir dann sogar ganz gut. Doch inzwischen sind sie dort mangels Licht & fehlender Pflege wohl eingegangen.
Und der kleine gelblich-rosa Rhododendron, den ich eigentlich meiner Mutter schenken wollte, den sie aber wegen massivem Zikadenbefall an ihren Rhododendren nicht aufnehmen wollte, der kümmert bei mir zur Zeit leider auch. Dabei gefällt mir seine Fehlfarbe unter der Korkenzieherweide jetzt richtig gut.
Aber mir scheint, je dichter ein Garten im Laufe der Jahre wird, umso weniger stören die kräftigen nicht eingeplanten Farben ...

Barbara hat gesagt…

Auch wenn die rote Farbe nicht in dein/euer Gartenfarbenschema passt, schön ist diese Pflanze dennoch. Deine Rhodo hat ein spezielles Rot, das mir gefällt.
Liebe Grüsse von Barbara (die z.B. das leuchtende Rot der Mohnblume in unserem Garten überhaupt nicht mag, es aber nicht über's Herz brachte die Pflanze wegzuschmeissen!)

SchneiderHein hat gesagt…

@ Barbara
Wenn sich roter Mohn bei mir halten würde, wäre er auch als Fehlfarbe geduldet ;-)

Ja, der Rhododendron hat schon eine besondere Farbe, mit der wir uns jetzt gut arrangiert haben.
Nur bei den Weißen können die verwelkten Blüten gern bleiben, doch bei dem Roten konnte ich es nicht ertragen. Da sind jetzt alle Saatstände entfernt. Allerdings auch, da er mal wieder dringend einen Formschnitt brauchte ...

Herz und Leben 2 hat gesagt…

Traumrot! Aber so etwas wird es wohl bei mir im neuen Garten doch nicht geben. Man muß sich entscheiden bei 400 qm ... und es gibt ja bei uns immer noch den Schulgarten, den Botanischen Garten und noch ein paar andere Stellen, an denen ich mir schöne Rhododendren anschauen kann.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Ich mag seine Farbe in dem Umfeld inzwischen ja auch. Aber viel wichtiger ist mir das immergrüne Füllmaterial für die blattlose Gartenzeit. Und das Gartenthermometer bei Frost sehe ich mir auch gern vom Bett aus an ;-)