Donnerstag, 19. April 2012

10 Zecken an einem Tag


Im Monat März begegneten uns und unseren Katzen 21 Zecken,
wobei die Zahl der weiblichen Zecken den größten Anteil mit
14 Tierchen ausmachte. Bis zum 15. April bekamen wir nun
mühelos - ohne bewusst den Garten nach ihnen abzusuchen -
nochmals 20 Zecken zusammen. Davon 13 vermehrungsfreudige
Weibchen. Doch heute war ein richtig perfekter Zeckentag:

Zuerst sah ich gegen 14 Uhr am Ende eines Glockenblumen-
blattes direkt am Wiesenrand ein ganz aufgeregt die Fühler
zu mir ausrichtendes Weibchen.


Diese Glockenblume befindert sich in dem Bereich
vor dem Treppenhaus
, wo wir im vergangenen Jahr wegen

 Und dieser Deko-Nachziehhase hatte vor ein paar Tagen
in der Wiesefläche rechts neben dem Podest ca. 20cm von
der Betonkante entfernt einen Platz gefunden. Ich hatte ihn
am Ohr gepackt und dort abgesetzt. Heute bei genauerer
Betrachtung der Wiese sah ich dann das:

Ich musste inzwischen mehrfach feststellen, dass Gegenstände,
die ich ab und an anfasse bzw. auch vor längerer Zeit mal
angefasst habe, Zecken ganz offensichtlich dazu verlocken, sich
an diesen Plätzen auf die Lauer zu legen. Bei meiner Mutter
wartete sogar mal eine Zecke in etwa 1m Höhe am Schloss 
ihres Schiebetors zum Garten auf einen Wirt.

Auch wenn es uns selbst nicht betrifft, so möchte ich Eltern
mit Kindern eindringlich in Zeckengebieten davor warnen,
Spielzeug im Garten liegen zu lassen. Oder sie zumindest vor
dem Spiel sorgfältig zu kontrollieren. Denn gerade die winzigen
Nymphen, die auch schon Borreliose-Überträger sein können,
sind kaum zu erkennen.


Zumindest in unserem Garten werden alle Zeckenstadien
(Larven, Nymphen und erwachsene Zecken) von menschlichen
Gerüchen magisch angezogen. Ebenso von Tieren, die be-
stimmte Wege durch den Garten bevorzugen. Und sie nehmen
dafür auch gern weitere Wege auf sich. Wir konnten schon
mehrfach beobachten, dass sie aus den Beeten aktiv auf uns
zukrabbelten, wenn wir etwa 50cm entfernt vom Beetrand
auf der sonnigen Betonfläche saßen. Und sie sind erstaunlich
schnell. Sie lauern nicht nur auf grünen Halmen sondern auch
auf vertrockenten Stauden, Holz, Metall oder Plastik. Und wenn
die Gegenstände angefasst wurden, sind sie anscheinend noch
verlockender. Sie warten auch nicht nur im lichten Schatten -
zeitweilig sitzen sie in der prallen Sonne
. Schon häufiger
hatte ich sie mittags im sonnigen Teil der Wiese an den
Krokus- oder Schneeglöckchenblättern entdeckt ...


Die Wiese wieder radikal schneiden, das Material verbrennen
und wieder 2x im Abstand von einer Woche chemisch behandeln?
Nein, das ist für uns kein sinnvoller Weg. Nachdem wir festgestellt
haben, dass sich die Zecken immer mehr zum Wiesenrand orien-
tieren, da unsere Katzen und auch wir dort häufig an der Wiese
langegehen bzw. dort vor dem Haus sitzen, steht dieser Bereich
unter besonderer Beobachtung: Möglichst 2 bis 3x am Tag werde
ich nun auf den höheren Halmen nach Zecken Ausschau halten und
sie absammeln. Die Flasche mit Chlorreiniger steht dafür am Haus
schon lange wieder griffbereit. Besonders effektiv ist im Moment
die Zeckenjagd in der Zeit vom frühen Nachmittag bis zum Abend.
Zecken mögen zwar keine Hitze, aber bei Wärme werden sie
aktiver. Und so kann ich im Idealfall im Sessel sitzend die kleinen
auf der Lauer sitzenden Punkte in der Wiese erkennen. So fischte
ich heute noch 2 Männchen von einem Krokusblatt, ein Weibchen
entdeckte ich auf dem Löwenzahn, ein weiteres auf der ver-
trockneten Zitronenmelisse und um 19 Uhr saßen 2 Männchen
auf der Glockenblume. Hoffentlich bleibt mir meine gute
Sehkraft noch lange erhalten!

Gegen 22 Uhr brachte mir unsere Maus dann ein Zecken-
paar, das noch in ihrem Fell umherkrabbelte mit ins Bett ...

Fotos: S.Schneider


Nachtrag Freitag 20.April 2012:
Heute waren es 'nur' 9 Zecken, die mir begegneten. Davon
7 allein am Wiesenrand. Eine weiteres Männchen brachte unsere
Maus am Morgen im Fell mit ins Haus. Und ein Zeckenweibchen
begegnete mir mittags im Auto: Vor ein paar Tagen hatte ich
eine mit geshredderter Heckenkirsche gefüllte Tasche aus dem
Garten meiner Mutter mitgenommen. Während der Fahrt hatte
sich die Zecke wahrscheinlich aus der Tasche auf den Weg
zum Fahrersitz aufgemacht. 

Und schon vor ein paar Jahren hätte ich um ein Haar ein
Zeckenweibchen aus Hannover zusammen mit der Gartendeko
auf den Dachboden meiner Mutter befördert. Sie hatte sich
anscheinend
in einem dieser Schafe verkrochen, die in der
Osterzeit bei uns in der Wiese standen ...



Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Ich kann nichts mehr von Zecken hören ;-) Zu eklig, diese Viecher! Ja,neulich hatte ich mal eine riesengroße Zecke in den Brennesseln, d.h. ich wollte mir eine Tasse Brennesseltee machen. Zu diesem Zwecke zwicke ich mit der Hand die Spitzen ab und gleich in die durchsichtige Tasse hinein. Im Haus spüle ich die Brennesseln einmal kalt über. Aber dazu kam es gar nicht mehr, denn es kletterte die große Zecke daraus hervor. Da habe ich das ganze Zeug kurzer Hand weggeworfen und die Zecke totgetreten (glaube ich jedenfalls ;-)
In den nächsten Brennesseln war dann der sprichwörtliche Wurm drin, was ich nicht bemerkte, nämlich eine Raupe im schon aufgebrühten Tee. Beim kalten Überspülen habe ich die nicht gesehen. Naja - gab es dann eben keinen Brennesseltee an dem Tag ... ;-)

Sonst aber hatte ich noch keine Probleme mit Zecken in diesem Jahr trotz durchs Unterholz streifen und auch im "richtigen" Wald, wo ich nicht immer auf den Wegen bleibe ...

Liebe Grüße
Sara

Herz-und-Leben hat gesagt…

Das mit den Gegenständen ist schon interessant! Die Zecken "merken" sich so etwas scheinbar ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Ich vermute, sie haben einfach nur höchst sensible Sinnesorgane, mit denen sie auch nur geringste Spuren von Buttersäure oder andere chemische Stoffe von Säugetieren usw. wahrnehmen können.

Und wahrscheinlich reagieren sie auch auf Schwingungen. Denn selbst unsere Fische standen im Sommer sogleich am Beckenrand und bettelten nach Futter, wenn wir gerade aus dem Haus kamen und noch gar nicht zu sehen waren. Selbst unsere Katzen wurden von den Fischen angebettelt.

Beim Waldspaziergang würde ich inzwischen nur noch in der Mitte der Wege bleiben. Ich denke mir auch dort lauern sie vorzugsweise am Wegesrand. Aber die haben wohl genug Hundeopfer!?
Querfeldein würde ich mich nur noch gut eingenebelt durch Wald & Flur begeben, aber dann macht es auch keinen Spass mehr. Und Gummistiefel & Hose reichen mir schon bei der Gartenarbeit ...

Meine Mutter hatte gestern eine Zecke auf dem Kühlschrank. Wahrscheinlich ist die mit dem Bärlauch reingekommen, den sie aus dem Garten geholt hatte und auf dem Küchentisch verarbeitete. Vom Küchentisch bis zum Kühlschrank ist es etwa 1m an der Wand lang ....
Ich hoffe nicht, dass die Zecke durch das weit geöffnete Fenster auf der Nordseite an der Fassade hochgeklettert ist!

Kerstin hat gesagt…

Zecken sind sowas ekliges. Ich bin heilfroh, dass wir hier scheinbar kaum welche haben. Mein Mann hatte einmal eine, als er im Wald war - aber ansonsten hat noch keiner aus der Familie eine gehabt.

Meine Mutter hat in einer Gegend gewohnt, wo viele Zecken sind und hat dann auch Boreliose gehabt. Dort bin ich immer nur auf den Balkon gegangen. In den Garten hätte mich keiner gekriegt.

Ich wünsch Dir viel Erfolg im Kampf gegen die Zecken!

SchneiderHein hat gesagt…

@ Kerstin
Wir hatten vorgestern Besuch, der hatte zwar im Vorfeld behauptet, dass sie sich die Socken über die Hosen ziehen, um in den Garten zu gehen ... Aber da durch die letzten Tage alles blitzschnell gewachsen ist, und ich mit dem Freilegen der Wege jetzt kaum noch hinterherkomme, haben sie kaum einen Fuß vor die Gartentür gesetzt. Das war jedoch auch gut so, denn als ich ein par Blätter vom Fiberklee aus den Stegritzen pflückte, hatte ich auch sogleich wieder eine Nymphe auf der Hand ...

Ich stelle immer mehr fest, dass man leider für Zeckengärten ein gewisses Training braucht ;-) Und meine Mutter muss das in ihrem Garten jetzt wohl auch erst lernen. Denn gestern war ich bei meiner Mutter hinten an der Grenze in einem Beet, wo ich letztes Jahr zwei Larven entdeckte. Und gestern hatte ich plötzlich wieder eine Larve an der Hand. Also werden wir versuchen nun zumindest mit dem Auslegen von Zeckenrollen die Gefahr etwas einzudämmen ...!?