Sonntag, 4. September 2011

Lust auf einen Gartenspaziergang?


Eigentlich nicht mehr, denn der Garten hat seit
gestern Abend auf der Südseite im Wald einen Teil
seines wildwüchsigen Charmes verloren ...

Vor dem Treppenhaus stehen nun notdürftig in Wannen versorgt
die Ilexzweige, Holunder, Hopfenranken und die Clematis viticella
mit ihrer grünen Saat. In diesem Jahr hatte der panaschierte Ilex
mal wieder reichlich mit Beeren besetze Zweige. Und auch wenn
die beiden Grenzfichten auf der Südseite aus Naturschutzgründen
erst ab 1. Oktober gefällt werden dürfen, störten unsere Nachbarin
auf ihrer Nordseite unsere Zweige in etwa 2,5 bis 3m Höhe über
dem Holzzaun gestern Mittag plötzlich zu sehr. Eigentlich war vor
einigen Wochen abgesprochen, dass die Zweige mit den noch nicht
reifen Beeren bis Mitte September bleiben dürfen. Denn bis dahin
hätten die Vögel sicherlich schon reichlich Ilex- & Holunderbeeren
abgeerntet und das restliche Material wäre mal wieder
als Deko
auf den Südhof gekommen ...

Ob diese Beeren nun noch nachreifen und den Vögel munden?
Bisher waren sie immer sehr beliebt bei den gefiederten
Freunden. Und als ich vor einigen Jahren meiner Schwieger-
mutter mal ein paar mit Beeren besetzte Zweige für die Grab-
gestaltung mitnahm, waren sie binnen weniger Tage beerenlos.
Solche Delikatessen hatten die Vögel auf dem Osnabrücker
Friedhof offensichtlich sehr selten.


Wie gut, dass ich gerade ein paar Wannen aus dem Garten
meiner Mutter mitgenommen hatte, da ich ihrer neuen

Nachbarin in den nächsten Tagen eine Wagenladung Wasser-
pflanzen für ihren Teich mitbringen wollte. Sonst hätte ich
im ersten Moment gar nicht genug Gefäße für all' die eilig
abgeschnittenen Zweige gehabt!


Besonders die Holunderzweige hätten sicherlich
gelitten, wenn ich sie nicht umgehend nach dem
Schnitt ins Wasser gestellt hätte.


So malerisch hatte sich der Hopfen
um die Haselzweige gewunden ...


Einen Teil der Hopfenranken, die bis ans Ende unseres
Birnenbaumes kletterten, konnte ich einigermaßen un-
beschadet herunterziehen. Aber ob sie sich lange im
Wasser halten? In den letzten Jahren hatten wir nämlich
kaum noch Hopfenzapfen. Daher wollte ich möglichst
viele von den Ranken retten.


Auf die Saat der Clematis viticella hatte ich mich richtig gefreut.
Denn ein Teil der Saat sollte wieder
in die Hofkübel. Und auch
meine Mutter könnte so eine Clematis noch gut in ihrem Garten
gebrauchen. Aber sie war leider so sehr mit den Holunder- und
Haselzweigen verwoben, und auch der Hopfen hatte sich hinein-
gemischt, dass ich ihre zarten Ranken nicht unbeschadet retten
konnte. Diese Saat wird jetzt kaum noch nachreifen ...


Zum Glück mildert der alte Rhododendron jetzt
noch etwas den Blick auf die kahle Südgrenze.


Und auch vom Steg aus scheint der Anblick Richtung
Holzzaun noch gar nicht so schlimm zu sein. Aber es
liegt eher am Aufnahmewinkel.


Das ist das Gerippe, was ich nun vom prachtvollen
panaschierten Ilex stehengelassen habe, um zumindest
möglichst große Zweige für die Gartendeko zu erhalten.
Ich befürchte, dass ich ihn zum Fällen der Grenzfichten
sogar noch tiefer runterschneiden muss, da ich den
Säulentaxus links und den alten Rhododendron rechts auf
jeden Fall als immergrünes Füllmaterial erhalten will.
Aber die Arbeitsfläche zum Fällen und Abtransportieren
ist dann extrem klein. Es wird bestimmt Jahre brauchen,
bis er wieder eine ansehnliche Form besitzt. Wenn er
diesen wahrscheinlich noch anstehenden Radikalschnitt
überhaupt überlebt. Um den grünen Hartriegel, dessen
abgeschnittene Äste hinter dem Ilex in die Luft stacksen,
mache ich mir hingegen keine Sorgen. Den kann ich
wahrscheinlich fast bodenbündig abschneiden. Er wird
dann hoffentlich schon bald darauf wieder die Lücke
zwischen der Garagenwand und Säulentaxus füllen.


Den Holunder links habe ich nun ersteinmal in etwa 1,5m Höhe
gekürzt. Und die Hasel rechts behielt noch einen Ast, der zu
uns in den Wald wächst. Die beiden müssen wohl auch komplett
niedergemacht werden, wenn es ans Fällen geht. Aber zur Zeit
möchte ich ihnen noch ein paar Blätter zum Leben lassen. Ob
sie wieder ausschlagen, wenn sie runtergeschnitten werden
und dann wahrscheinlich sogar auf ihnen rumgetrampelt wird?


Der große alte Taxus links wird sich allerdings freuen, wenn
er bald mehr Licht, Luft und Wasser von oben bekommt.
Er ist in den letzten Jahren sehr auseinandergefallen und
bräunte stark aus. Für ihn habe ich schon starke Gurtbänder
besorgt, so dass wir ihn vor dem Tag X zusammenzurren
können. Und danach werde ich ihn wieder etwas mehr
in Form bringen. Allerdings erst, wenn seine Zweige als
Winterschutz für die Rosen benötigt werden ...


Aber zum Glück sieht der Blick auf unserer nördlichen Grenzseite
durch den Hochwald noch idylisch aus. Dort unter dem Pavillion

haben wir gestern nach der Gartenarbeit dann noch einen
herrlichen Sommerabend verbracht.

Fotos: SchneiderHein


Kommentare:

Frauke hat gesagt…

und in einem Jahr ist alles wieder so grün ausgeschlagen und in zwei wirst du dich wundern, wie viel Kraft in den Pflanzen steckt. und es wird dann die Lücken wieder füllen.
Jeder Rückschnitt fördert den Neuaustrieb.
So funktionieren ja auch unsere Knicklandschaften in Norddeutschland. Alles wird nach 7-12 Jahren auf den Stock gesetzt.

Ich schnide unsere Büsche zum Nachbarn immer gleich als Hecke, so bleiben sie schön dicht bis unten und ragen nicht auf das Nacbargrundstück . Einen Bretterzaun brauchen wir deshalb nicht!
Und beide sind zufrieden und jeder schaut auf Grünes.
Frauke

Borkergarten hat gesagt…

Hallo Silke,
das ist das Problem mit den Nachbarn und den Pflanzen, die sich nicht an die Grundstücksgrenzen halten können. Wir versuchen beim Pflanzen immer ein wenig auf die Abstände zu achten. Als Abgrenzung haben wir eine Formhecke (Hainbuche), die natürlich regelmäßig geschnitten werden muss. Bei den Strächern, die wir haben versuche ich durch Schnitt keine ungewünschten alten dicken Triebe und Größe zubekommen. Das tut manchmal weh, aber die Sträucher treiben regelmäßig von unten neu aus. VG Manfred

SchneiderHein hat gesagt…

@ Frauke / Manfred
Um Hartriegel, Holunder & Hasel mache ich mir auch keine Sorgen. Die sind wie Unkraut und lassen sich prima in Form bringen. Und der Hopfen sorgt zur Not auch für einen schnellen Sichtschutz im Sommer. Außerdem sollen im nächsten Jahr noch zwei Kletter-bzw. Ramblerrosen und Clematis die beiden Stammreste erklimmen. Lediglich der panaschierte Ilex macht mir Kummer. Auch wenn ich eigentlich so gar kein Fan von panaschierten Blättern bin, so mag ich diesen mit dem Garten geerbten Ilex trotzdem sehr gern. Zumal er in jedem zweiten Jahr reichlich Beeren trägt, die die Vögel sehr gerne mögen. Er wurde im Frühjahr 1996, als wir den Garten übernahmen, ziemlich brutal von einem 'Gärtner' heruntergeschnitten. Und obwohl er damals auch schon älter war, brauchte er über 10 Jahre bis er wieder ansehnlich wurde. Daher vermute ich, wenn er nun sogar bodennah gekürzt werden muss, werde ich ihn viele Jahre nicht mehr als Sichtschutz einplanen können. Auch der Rhododendron brauchte etwa 10 Jahre, bis ich ihn in Form bekam. Als wir den Garten übernahmen, war er viel zu weich und lag fast am Boden. Und der Säulentaxus direkt am Fichtenstamm mit einer Höhe von etwa 2,5m steht dort auch schon seit 15 Jahren. Eine abwechselungsreiche immergrüne Bepflanzung braucht um einiges länger als die meisten sommergrünen Sträucher. Aber dieses immergrüne Füllmaterial finde ich für die Winterstruktur wichtig. Zumal wir gerade in diesen Bereich vom Bett aus in den Garten schauen können, bzw. dann auf dem Präsentierteller für unsere Nachbarn liegen.

Der Holzzaun unserer Nachbarn in 50cm Entfernung von unserer Grundstücksgrenze ist übrigens ein Ergebnis des Rechtsstreites, den meine Patentante mit unseren Nachbarn führte. Wer wann damit anfing? Jedenfalls hatten die Eltern meines Patenonkels die Fichten wohl um 1968 gepflanzt. Ich hatte früher mal ein Foto gesehen als die 'Wald'-Bepflanzung angelegt wurde - hoffentlich finde ich das mal wieder ...
Jedenfalls wollten sich beide Parteien irgendwann im Garten nicht mehr begegnen, und so wurde wohl vor etwa 20 Jahren der Holzzaun entlang der gesamten Grenze gezogen.
Und wie ich hier ja schon häufiger erwähnte, erbten wir mit dem Garten auch den Grenz-Rechtsstreit wegen der beiden Fichten. Aus heutiger Sicht wäre es damals besser gewesen einen Antrag auf Fällung zu stellen. Aber im Januar 1996 gab es nur eine Genehmigung zum Einkürzen der Äste, die zu sehr über die Grundstücksgrenze ragten. Daher wurden die Äste bis zu einer Höhe von ca. 5m auf der Südseite noch schnell Mitte Februar entfernt. Denn die Genehmigung galt nur bis Ende Februar. Den Antrag hatte übrigens meine Nachbarn beim Grünflächenamt gestellt.
Bis auf den Altbestand, den wir im Garten vorfanden, haben wir bei der Neuanpflanzung zumindest für die Sträucher & die immergrünen Gehölze, die wir höher wachsen lassen wollten Grenzabstände von 50cm bis 1m gewählt - quasi als Wirtschaftsweg, so wie es unsere Nachbarn durch ihren Holzzaun auch handhaben. So eine Arbeitsfläche würde ich auch heutzutage immer wieder bei der Gartengestaltung einplanen. Denn Nachbarn können auch wegziehen oder ihre Einstellung ändern ...