Freitag, 3. Juni 2011

Neues von der Zeckenfront ...


Dieses Gebiet zwischen Podest und Steg unter der Hedi Grimm
am Wiesenrand
scheint unsere größte Zecken-Problemzone
zu sein. Hier in dem gemulchten Bereich unter der Rose oder
aber unter den Hölzern habe ich die vielen
kleinen Zecken-
Larven gestern zufällig mit den Test-Socken aufgespürt
...

Und dieses ist der Bereich rechts neben dem Podest, wo wir
noch vor einiger Zeit das von unseren grauen Katzendamen ver-
schmähte
Futter für die Tiere in die Wiese stellten. Besonders
das Feuchtfutter wurde auch gern von den Drosseln genommen,
da sie durch die langanhaltende Trockenheit kaum noch Würmer
für die Aufzucht ihrer Jungen fanden. Und wenn der Futter-
Service mal nicht stimmt, dann bedienen sich die Drosseln eben
am Fischfutter. Oder sie kommen sogar ins Treppenhaus. Auch
die Igel machten schon häufiger Hausbesuche ...


Als natürliches Rankgerüst habe ich alte Apfeläste um
die Hedi Grimm gelegt. Und die Rose wurde im Herbst
mit dem zusammengerechten Korkenzieherweiden-Laub
aus der Wiese umgeben. Bis zum Frühjahr war das Laub so
gut zusammengesackt, dass ich es nicht entfernen musste.
Im Übergang von der gemulchten Rose zur Wiese gedeiht
der flach wachsende Gundermann. Und vereinzelt hat sich
Zitronenmelisse um die Rose herum ausgesamt. Insgesamt
ist die Wiese zur Zeit jedoch noch recht niedrig.

Dieses ist der Platz, wo noch vor ein paar Tagen die Futter-
schälchen standen. Da sich die Schnecken neben dem Podest
auch gern mal an
den beiden weißen Kaukasus-Vergißmeinnicht
bedienten, war hier nun der neue Futterplatz. Rechts, neben
dem blauen Kaukasus-Vergißmeinnicht, ist es durch die Korken-
zieherweide noch etwas schattiger als in der Nähe der Rose.


Und mit diesem kleinen Stückchen Stoff am Ende des Besenstiels
gehe ich nun
erst einmal im Wiesenbereich auf Zeckenfang. Um
Larven und Nymphen aufzuspühren, hat es sich inzwischen be-
währt das Stielende in Bodennähe hin und her zubewegen.


Vor der Tischgruppe ist noch ganz deutlich der Tampelpfad
der Igel zu erkennen, die vom Mulchweg
aus dem Wald zum
Futternapf vor dem Treppenhaus kamen
. Entweder hat sich
Wolfgang beim Fotografieren hier
die 40 Blutsauger eingefangen
oder weiter hinten auf dem Mulchweg im Wald - auf jeden Fall
aber auf der beliebten
Igel-Rennstrecke!

Und hier noch ein Blick vom Steg in die Wiese. In diesem Bereich
habe ich bis jetzt recht wenig Zecken, Nymphen oder Larven
auf den Stoff locken können. Wegen der Futterschälchen scheinen
sich die Tierchen überwiegend am Rand zu den Betonplatten auf-
zuhalten. In diesem Jahr ist mir zwischen Steg und Tischgruppe
noch keine lauernde Zecke am Ende der Grashalme aufgefallen.
Obwohl ich nun nach
dem Schnecken-Blick der Sammeljahre 2002
und 2003 einen schon sehr gut trainierten Zecken-Blick besitze!

Fotos: S.Schneider



Es zeichnet sich ab, dass die meisten Zecken und ihre Vor-
stadien im Garten so gut wie unsichtbar sind. Daher habe ich
heute verschiedene Fangtechniken ausprobiert, um die unsicht-
bare Gefahr hervorzulocken: Ein Stück weißen Stoff über die
Wiese zu ziehen brachte kaum Tierchen hervor. Ein Stück mit
Schweiß 'beduftete' Küchenrolle zwischen den Gräsern in die
schattige Wiese zu legen blieb auch nach 5 Minuten erfolglos.
Ein
Papiertaschentuch am Ende des bewegten Besenstiels brachte
mäßigen Erfolg. Es muss wohl wirklich ein bewegtes Stofftuch
sein, das möglichst intensiv nach Mensch riecht. Und auch die
Tageszeit spielt eine wichtige Rolle. Morgens vor 10 Uhr konnte
ich mit den verschiedenen Techniken etwa 100 Larven unter der
Hedi Grimm einfangen. Dazu kamen noch 3 Nymphen und eine
männliche Zecke. Gegen 15 Uhr, als die Rose wieder im Schatten
lag, konnte ich nur 30 Larven und 1 Nymphe auf den Stoff locken.
Um 19 Uhr waren es dagegen bereits ca. 60 Larven und 1 Nymphe.
Und um 20:15 Uhr erzielte ich das beste Ergebnis unter der Rose:
Etwa 100 Larven, 3 Nymphen und eine erwachsene Zecke hatten
nach diesem trockenen und sehr warmen Sommertag das Bedürfnis
Blut zu saugen. Hoffentlich wird nun morgen das Zecken- und
GrasmilbenKonzentrat geliefert!

Im Moment sieht es so aus, als ob es sich nur um ein Nest am
Wiesenrand handelt. Und da die winzigen Tierchen nun alle
auf der Suche nach Nahrung sind, sind eventuell schon einige
von ihnen in die nähere Umgebung ausgeschwärmt. Denn bisher
waren es verhältnismäßig wenig Zecken-Larven, die ich am
verlegten Futterplatz im Efeu oder weiter hinten am Steg
aufspüren konnte. Dort müssten strategisch günstige Orte zum
Auflauern sein. Oder haben wir etwa doch drei Nester und die
meisten Larven sind dort schon mit ihren Wirten auf die große
Gartenreise gegangen?


Dass Zecken große Strategen sind, hat mir eine vollgesogene
Zecke schon vor ein paar Jahren vorgeführt: Sie ließ sich von
einem Igel direkt vor unserer Treppenhaustür auf die Beton-
platten fallen und wollte sich im schattig-steinigen Bereich
zwischen Sommerflieder und Blumenkübeln vor der Hausfassade
verkriechen. Da hätten ihre Kinder nur wenige Zentimeter bis
zum 'Wildwechsel' von zwei Menschen, zwei grauen Katzen
und einigen hungrigen Igeln zurücklegen müssen ...

Allerdings sind wir nicht die einzigen, die auf ein Zeckennest
gestoßen sind. Schon vor ein paar Jahren hatte eine kleine
flinke Spürnase in einem Garten auf der gegenüberliegenden
Straßenseite sich gerade den Platz auf der heimischen Rasen-
fläche ausgesucht, wo hunderte von Zecken-Larven in die große
weite Welt strebten. Es müssen um die 140 Tierchen gewesen
sein, die dem kleinen Hund dann beim Tierarzt entfernt wurden!

Und auch die vollgesogene Zecke, die ich an unserer Maus
wegen ihrer Augenentündung erst viel zu spät entdeckte, ließ
sich strategisch äußerst günstig am Betthaupt fallen. Dort konnte
ich
sie gerade noch davon abhalten hinter mein Kopfkissen zu
kriechen. Angeblich sollen Zecken nicht lange im Wohnraum
überleben. Aber dieses Exemplar kam in ein durchsichtiges
Filmdöschen und wurde dort auf dem mittags stark besonnten
Küchentisch vergessen. Bis es plötzlich nach mehreren Wochen
in dem Döschen zu krabbeln begann. Leider war ich in dem
Moment so entsetzt, so dass ich die Plastikdose sofort in ein
Nitroglas warf und nicht vorher fotografierte. Zu dem Zeitpunkt
waren wohl ca 100 Larven geschlüpft. Das fanden wir schon
viel. Doch so ein Gelege kann unter günstigen Bedingungen
wohl noch wesentlich größer ausfallen ...

Aber es kommt noch schlimmer:
Maus hatte am 17. Mai 2011 trotz neuerem Frontline Spot-on
eine so gut am Körper versteckte Zecke, dass ich sie erst
im fast vollgesogenen Zustand entdeckte. Doch sie schien
inzwischen abgestorben zu sein. Auch sie kam mal wieder
in ein durchsichtiges Filmröhrchen. Und eben musste ich
feststellen, dass sie wohl in den letzten 3 Tagen ca. 120 Eier
gelegt hat. Nun kann ich also abwarten, ob nochmals Larven
ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung aus den Eiern schlüpfen -
bzw. wie lange sie dann in der Plastikröhre überleben können ...

Langsam fühle ich mich wie bei 'Jugend' forscht ;-)



Nachtrag 7. Juni 2011:

Und heute auf der Suche nach effizienten Zeckenfangmethoden
im www fand ich diese
sehr interessante Seite eines Schul-
projektes von 2006 aus Österreich
...



Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Unglaublich! Wirklich unglaublich!
Ja, wirklich, wie bei "Jugend forscht" *lach*
Ich käme sicherlich nicht auf die Idee, Zecken derart zu beobachten, einfach weil sie mir zu eklig sind ;-) Bin froh, wenn ich sie nicht sehe., Aber ich werde es morgen doch mal ausprobieren mit dem Besenstiel und einem weissen Stoff ...

So langsam denke ich allerdings, es hat eben alles seinen Lebensraum. Der Mensch war eben nicht speziell für den Wald gemacht, daß er darin womöglich nackig herumläuft. Der Urwald birgt ja - im Gegenteil - viele Gefahren ... wo man sich überhaupt nie ungeschützt in ihm bewegen konnte. Wenn ich da nur an den Safari-Look denke ... Daktari läßt grüßen ;-) ...

Wenn nun der Mensch von heute meint, sich in bestimmten Bereichen aufhalten und herumwirtschaften zu müssen,noch dazu nahe am Haus eine Wildnis haben will, muß er sich nicht wundern, wenn ihn dieses Geziefer befällt ...

Wenn ich das mal auf unseren Garten beziehe - wir haben ja kein Dickicht direkt am Haus. Vielleicht noch das "Niemandsland" - aber Tiere, Igel - sind da auch nicht. Hier gibts hauptsächlich Vögel ... und die Terrasse habe ich schon immer sauber gehalten. Jetzt wird der Blauregen wieder zusammengeschnitten, weil er sehr treibt. Das geht hier nicht, da er auch unters Hausdach klettert. Er wuchert überhaupt überall hinein, auch über den Boden. Da würde es sehr schnell undurchdringlich werden ...
Naja, ich bin ja gespannt auf morgen :-) Du kannst einen schon "anstecken" :-)

Gute Nacht!
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Gerade heute habe ich mich mit unseren Nachbarn auf der Südseite unterhalten. Dort wird ständig geschnitten und abgefahren, der Rasen vertikutiert und regelmäßig gemäht. Der Garten muss gewässert werden, da dort gnadenlos bis auf einen Apfelbaum auf der Nordseite die Sonne brennt. Es gibt keinen Teich, keine Rückzugsmöglichkeiten für Igel und keinen Komposthaufen. Auf der gesamten Grenzlänge gibt es einen Zaun und noch dazu einen Holzzaun, so dass der Zugang für die Tiere aus unserem Garten zumindest erschwert ist. Und trotzdem handeln sie sich ständig bei der Gartenarbeit Zecken und Nymphen ein.

Seifenfrau hat gesagt…

Guten Morgen.
ich bin hin und hergerissen zwischen Faszination und Gruseln. Das ist sehr spannend, aber auch sehr beängstigend.
alleine deine Zahlen lassen mich nervös über meine Haut fahren.
Nun denke ich, ob wir nicht zu viel Gras und Wildwuch in unserem Garten haben?
Vielleicht mach ich mir auch so einen weißen Sockendetektor...
Vielen Dank für deine Schilderungen!
Bei uns regnet es gerade viel im Garten.
Liebe Grüße

Ach ja, hast du mal gehört, dass Seife aus Kokosöl (vermutlich pur) Zecken vom Menschen fernhalten soll?
Nach dem Waschen damit natürlich... Hat mir ein Kunde erzählt, aber ich hatte es wieder vergessen...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Seifenfrau
Mir machen die Zahlen auch am meisten Kummer! Und ich befürchte, die Zahlen werden die fast 6000 auch in unserem Garten erreichen, die mich im Garten von Harald W. in der Eifel so aufgeschreckt haben.

Mich ekelt und fasziniert das Thema jetzt gleichermaßen, da ich immer mehr vermute, dass Zecken durch ihre Sinnesorgane um ein vielfaches inteligenter sind, als wir ihnen normalerweise zutrauen. Und so unangenehm, wie es auch direkt am Haus ist, hier habe ich nun ideale Möglichkeiten ihr Verhalten zu beobachten.
Daher bin ich jetzt auch sehr froh, dass ich die Wiese nicht gleich in einer ersten Panik-Aktion runtergeschnitten habe. Denn dort, ganz dicht am Steg - im besonnteren Bereich, wo ich vor ein paar Tagen nur Larven am Boden fand, saßen gestern nach etwas Regen und schwül-warmen Wetter einige Männchen und zahlreiche Weibchen auf den vereinzelten Grashalmen. Nun kann ich sie dort problemlos absammeln, ohne die Wiese betreten zu müssen.
Ich bin mir zwar sicher, dass die Wiese im Vergleich zum restlichen Garten wegen der zahlreichen Tierbesuche der vergangenen Jahre viel mehr verseucht ist, aber es ist wichtig zu wissen, wie stark und schnell sie sich vermehren können. Denn 2004 hatten wir im Garten noch nie eine Zecke gesehen, aber bereits ein Larvennest unter dem Gartentisch ...

Ich werde mal versuchen, ob ich die Info über das Kokosöl im www wiederfinde. Seife wäre mir aber wesentlich sympatischer!

Hier regnet es eben. Jetzt kommen die Groß'wild'-Tage ...
Zum Fangen der Zecken muss es kein Socken sein - ich hatte nur nichts anderes zur Hand, und die waren auch schon fast wegwerfreif. Wichtig ist, dass der Stoff nicht zu glatt ist. Ich nehme jetzt Putzlappen von ausgemusterten Bettbezügen.

Jo`s Garten hat gesagt…

Hallo,

das sind ja gruselige Aussichten-an Larven und Nymphen habe ich bisher gar nicht gedacht, jetzt krabbelt es mich und ich schnappe mir eine Socken um meinen Garten zu scannen...brrrr.
Ich werden mal vorsorglich etwas mehr Kokosöl in mein Salzpeeling geben und eventuel ein bisschen pur auf die Füße auftragen, bevor ich wieder barfuß durch den Garten wandere...
Danke, für diese spannenden Informationen und viele Grüße,
Carola

SchneiderHein hat gesagt…

@ Jo's Garten
Ich verstehe auch nicht, warum fast nur Zeckenweibchen als mögliche Gefahr in den Medien gezeigt werden. Und vor allem, warum überwiegend nur auf die Gefahr für Waldspaziergänger, ev mal Angler und Hundebesitzer hingewiesen wird.

Auch bei uns im Garten konnte ich noch vor einigen Jahren unbedarfter arbeiten. Ausgewachsene Zecken finde ich allerdings immer noch verhältnismäßig selten. Aber Nymphen wesentlich häufiger. Meist fallen die winzigen schwarzen Tierchen im Garten und selbst schon saugend auf der Haut kaum auf. Schon oft ist es uns passiert, dass wir sie versehentlich berührten und sie dann natürlich 'spucken'. Außerdem können Nymphen auch schon Borrelien in sich tragen!
Und da, wo sich durchsichtige oder winzig kleine schwarze Larven an den Füßen sammeln, muss irgendwo in der Nähe ein Nest sein ...
Ich will hier wirklich keine Panik verbreiten. Aber Zecken scheinen sich wirklich explosionsartig bei ausreichendem Angebot an Wirten zu vermehren. Also sollte man möglichst auch die Vorstufen im Garten erkennen und bekämpfen.
Es muss kein Socken sein, aber das Material sollte nicht zu glatt sein. Außerdem sind die feucht-warmen Abendstunden wohl am erfolgversprechensten für den Test - zumindest bei wärmerer Witterung.
Larven befinden sich in Bodennähe, Nymphen im niedrigen Gestrüpp oder Bodendeckern und ausgewachsene Zecken warten an feuchtwarmen Tagen am Ende von Grashalmen.

Ich hoffe Deine Suche bleibt erfolglos! Aber nach unseren Erfahrungen würde ich den Test jetzt mehrmals im Jahr im Garten machen, wenn es Igel & Mäuse im Garten oder in dernäheren Umgebung gibt ...

Herz-und-Leben hat gesagt…

Wie wär's denn hiermit? :-)

http://www.hatzmann-radermacher.de/download/zecken-comic.pdf

Ja, so ganz und gar nackter Boden ist auch nicht das Ideal. Warum die Leute nie den "goldenen Mittelweg" wählen können ;-)
Und sicher gibt es insgesamt verseuchtere Gebiete als andere und eben auch anfälligere Personen als andere ... das ist alles ja sehr individuell. Ich kenne so einige Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Zecke überhaupt nur gesehen haben. Die gehen aber auch in den Wald.