Samstag, 15. November 2008

Es lebe die Unvernunft ...


Ich wußte schon, warum ich in diesem Jahr weder einen Ausflug
ins
Rosarium nach Sangerhausen unternehmen wollte und vor allem
keine Rosenschulen besuchen wollte. Selbst bei den Baumärkten
und Garten-Centern hatte ich die Befürchtung, dass ich wieder
schwach werden würde. Obwohl wir doch in diesem Jahr mal

eine Pause beim Rosen- & Staudenkauf einlegen wollten. Denn im
letzten Jahr kamen unsere neu gekauften Rosen erst im späten
Herbst in einer mehrtägigen Hau-Ruck-Aktion in die Erde.

Eben noch ist der schönste Herbst, wo wir die letzten Sonnen-
strahlen lieber im Garten sitzend genießen, und plötzlich steht
dann schon die Adventszeit vor der Tür. Die trotzdem über den
Sommer angesammelten Container-Pflanzen müssen nun dringend
in die Erde. Ja, es hat sich wieder so manches Töpfchen auf
unserer Betonfläche und in anderen 'Verstecken' angesammelt:
Die Veilchenblau vom letzten Sommer hat jedoch nur einen
größeren Topf erhalten und verbringt, wie die im Frühsommer
gekaufte Violet Hood den Winter lieber im Hochwald, gut ver-
packt mit Buchenlaub. Für unseren inzwischen wild wuchernden
Wicken-Vorgarten
sind beide Pflanzen noch zu schwach, um sich
dort behaupten zu können. Vielleicht bekommen sie im nächsten
Herbst ihren Standort im Vorgarten. Aber trotzdem stehen noch
3 Sträucher und ein riesiger herbstblühender Stauden-Topf, dessen
Name mir eben nicht einfällt auf der Fläche. Auch das angeblich
weißblühende Geißblatt vom Frühjahr hat noch nicht seinen
Platz vor dem Hochwald erhalten. Ich wollte vor dem Einpflanzen
erst seine Blütenfarbe sehen. Denn zu oft zeigte mir ein Schild
meine Wunschfarbe, aber der Topf hielt nicht, was die Abbildung
versprach. Also wird das Geißblatt den Winter wohl auch im Hoch-
wald verbringen. Außerdem bin ich immer noch auf der Suche
nach einem recht schneckenfreien Platz für 2 große Staudentöpfe
der Herbstanemone Whirlwind und einem Topf mit einer Edeldistel.
Allerdings vermute ich so langsam, dass ich diese Stauden nur über
das nächste Frühjahr retten kann, wenn ich sie im Kübel auf den
heißen Südhof stelle. Im Wildwuchsgarten werden die Schnecken
wohl sogleich im Frühjahr über ihre ersten Blättchen herfallen. So
sah Whirlwind Anfang Mai aus. Und ebenso erging es im Februar der
Edeldistel im Beet, die dann bald darauf spurlos verschwunden war.
Für unsere neue Clematis viticella Alba Luxurians habe ich zwar
schon einen Platz vor dem Hochwald rechts neben der Kletterrose
Schneewittchen gefunden, aber bis jetzt bin ich noch nicht zum
Pflanzen gekommen.

Die Stacheldraht wird mit ihrem Standort hinter dem Teich zwischen
Baumpäonie und Bambus wohl zurecht kommen und könnte nun schnell
noch eingepflanzt werden. Auch Stanwell Perpetual hat uns in diesem
Sommer ihr ins Beet passende zartrosa bis weiß vorgeführt und soll
der geerbten rosa Rose am Apfelbaum jetzt Gesellschaft leisten.

Und da ich mich wegen der Weihnachtsdeko dann doch wieder in
die gefährlichen Garten-Center begeben habe, fiel mir die immer
noch oder auch schon wieder blühende Souvenir de la Malmaison im
Container auf. Eine faszinierende rosa Blüte und ein herrlicher Duft.
Sofort dachte ich an den Garten meiner Mutter. Aber da mir auf
Anhieb kein passender Platz in ihrem Garten einfiel, ließ ich
schweren Herzens die um 30% reduzierte Container-Rose stehen.

Aber kaum Zuhause angekommen erzählte ich Wolfgang von
meiner Rosen-Entdeckung. Sogleich erinnerte er sich daran,
dass es gerade bei alten Rosen ja häufiger Unterschiede in der
Blüten- & Blattformen geben kann. So besitzen wir zum Beispiel
drei verschiedene Gruß an Zabern vom Züchter Peter Lambert.
Unser Exemplar, dass wir bei Karl Otto Schütt gekauft haben,
unterscheidet sich in der Blütengröße und Blütenform von der
Gruß an Zabern aus den Historischen Rosengärten und aus der
Schloßgärtnerei in Lützow haben wir eine dritte Variante mit-
gebracht, die wir hier aber noch nicht veröffentlicht haben.
Und so schlug Wolfgang vor diese Rose doch jetzt noch blühend
zu kaufen, wenn sie mir gefällt. Daher brachte er sie heute
vom Einkauf mit:













Fotos: SchneiderHein

 
Was auf diesen Fotos allerdings nicht zu erkennen ist, sind die
vom Sternrußtau befallenen und angeknabberten Blätter, der
Befall durch kleine, mir bis jetzt unbekannte weiße Tierchen
sowie erste Anzeichen von Mehltau. Entweder hatte ich all' diese
Erscheinungen in der ersten Begeisterung übersehen, oder die
Rose hatte in der vergangenen Woche im Garten-Center arg
gelitten. Jedenfalls stand nach genauerer Betrachtung fest, dass
diese Rose meine Mutter zur Verzweifelung treiben würde und
daher nicht für ihren Garten geeignet ist. Aber eigentlich hatten
wir uns ja auch in diese Rose verliebt. Schließlich stand sie ganz
im Anfang unserer Rosenbegeisterung ja schon einmal auf der
Haben-Wollen-Liste, um dann wieder wegen ihres rosa Farb-
tons davon zu verschwinden. Denn schließlich gibt es ja noch
unzählige weiße Rosen, die wir nur allzugern in unserem Garten
unterbringen würden.

Doch nun ist sie da. Aber im Nachhinein war es wohl wirklich
ein unüberlegter Spontankauf, der uns noch ähnliche Probleme
wie bei der Boule de Neige bereiten wird. Denn in unserem
Klima leidet sie wahrscheinlich wirklich unter Sternrußtau &
Mehltau und ihre Blätter & Knospen verkleben anscheinend
schnell bei feuchter Witterung. Wie gut, dass wir ihr zumindest
ein zwar geschütztes aber trotzdem sonniges Plätzchen in
unserem Garten anbieten können! Doch ob sie dort auch diesen
herrlichen Duft entwickeln wird, der mich verlockte?


Nun noch die traurige Bilanz aus unserem Rosengarten im Jahr 2008:
Unsere Rosen sind alle in Bezug auf die Wasserversorgung in den
letzten Jahren verwöhnt worden. Meistens erhielten alle Rosen
vom Frühjahr bis zum Herbst 2x pro Woche mindestens 5 Liter
Wasser. Das ist auch erforderlich, da ein normaler Regen die Böden
in unserem Wildwuchs-Garten unter den Sträuchern & Koniferen
nicht genug durchfeuchtet. Aber wir haben ganz bewußt viele
unserer Rosen dicht an die Gehölze gepflanzt. Das rächte sich nun
in diesem bei uns sehr trockenen Sommer, als ich noch dazu durch
starke Rückenschmerzen mehrere Wochen nicht in der Lage war,
wie gewohnt zu gießen. Und leider konnte sich Wolfgang nur
begrenzt die Zeit nehmen alle Pflanzen ausgiebig zu wässern.
So haben wir in diesem Sommer folgende Rosenverluste durch
Wassermangel und schwierige Standorte zu verzeichnen:
Bobby James, eine herrlich üppige Rambler-Rose, die wir
uns blühend aus Sangerhausen mitgenommen hatten. Aber
leider stand sie hinter der Teichmauer wohl auch zu dunkel.
Dabei hatten wir es uns schon so schön ausgemalt, dass sie
irgendwann einmal die Sauerkirsche erobert.


Gruß an Zabern aus Lützow, die zwar in diesen Sommer
noch unter der Mirabelle blühte aber danach plötzlich
und unbemerkt einging.


Eine Sebastian Kneipp, die unter dem Apfelbaum hinter
dem Hochwald zu schattig und trocken stand. Das zweite
kümmerliche Exemplar sollten wir wohl wirklich in
die Nähe der Souvenir de la Malmaison umpflanzen!


Rosa Hugonis, kümmerte bereits in diesem Frühsommer
hinter der Teichmauer und ist uns leider im Sommer endgültig
vertrocknet. Dabei hätte sie so schön mit ihrer frühen Blüte
die gelbe Seite des Gartens bereichern können ...

Und ganz früh verabschiedete sich in diesem Sommer eine
Rosa Canina. Aber vielleicht war sie auch zu schwach, denn
ihre ursprüngliche Veredelung war ja bereits vor dem Kauf
eingegangen und wir waren begeistert von der reinweißen
Veredelungs-Unterlage.




Kommentare:

Susanna hat gesagt…

Veilchenblau, violet Hood was lese ich da? Blühen die etwa weiß?
Die Stacheldraht rose ist genial wen ich nur wüsste wohin mit ihr. Aber immer schön zurückschneiden sonst verlieren sich ihre wunderschönen roten stacheln.

Das sich Bobby James verabschiedet hat verwundert mich schon etwas. Mein Tipp versucht es doch mal mit Alfred Carrier der ist eigentlich hart im nehmen und würde an eurer mauer sicher auch super aussehen.

Ansonsten kann ich mich nur anschliessen

Es lebe die Unvernunft

SchneiderHein hat gesagt…

@ Susanna
Ja, es ist nicht leicht sich bei uns auf den unterschiedlichen Blogs und in den verschiedenen Gärten zurecht zu finden:
Unser Wildwuchs-Garten hinter dem Haus besteht aus überwiegend weißen Rosen.
Aber hinter der Teichmauer gibt es die gelbe Seite.
Und an der Ostgrenze zum Nachbarn hat sich immer mehr Rot eingeschlichen. Wenn sich dort der Herbst-Eisenhut hätte entwickeln können (wurde dieses Jahr aber total von den Schnecken niedergemacht), dann würde sich vielleicht sogar eine Pat Austin dazugesellen. Dann würden sich an der roten Grenze auch Dunkelblau & Orange tummeln.
Immer mehr Rosa-Töne Lenzrosen & Seidelbast haben sich durch die mit dem Garten geerbte rosa Rose hinter dem Wald eingeschummelt.

Die Veilchenblau & Violet Hood sind in diesem Garten nur Topf-Gäste, da es vor dem Haus im Sommer zu heiß für sie war - dort hätte ich die Kübel bestimmt zu selten gegossen. Aber irgendwann kommen sie in den Wicken- & Rosen-Vortgarten, der überwiegend in Rosa bis Purpur blühen soll.

Dann gibt es den Garten meiner Mutter in Braunschweig hinter dem Haus 'der Zweitgarte', der ohne Wolfgangs & meinen Einfluß bestimmt anders aussähe - zumindest hätte er wesentlich weniger Rosen ;-)

Und dazu gibt es in Braunschweig noch meinen weiße Vorgarten, mit dem ich mir ab 1983 eine Menge Ärger eingehgandelt habe, da ich seitdem mit dem Thema naturnaher Garten in Weiß experimentiere. Ärger unter anderem, da ich mir gleich im Anfang Giersch aus dem Wald geholt habe. Was das für ein 'Pflänzchen' ist, habe ich aber erst viel zu spät festgestellt - blühte doch so schön Weiß... Aber wann ich den Garten mal auf dem Blog 'SchneiderHein' zeige steht noch in den Sternen!

Die Stacheldraht muss sich bei uns erst einmal gut entwickeln, bevor ich mich traue sie zu schneiden. Unsere erste ehemals stattliche Pflanze kümmert nun schon länger. Zeitweilig hatte ich sogar schon die Befürchtung sie könnte auch eingehen. Leider haben selbst wild wuchernde Wildrose bei uns selten Gelegenheit so 'wild' zu sein :-(

Bei der Bobby James lag es sicherlich am Standort & Wassermangel. In der Ecke ist mir in diesem Jahr vieles eingegangen. Angefangen hatte es mit einer 1,5m hohen Zuckerhutfichte, dann verschwand die Clematis Gladis Picard, dann Rosa Hugonis & danach Bobby James. Alles auf ca. 1 1/2qm. Als ob der Boden verseucht wäre...
Aber zum Glück steht dort auch Long John Silver und wächst nun allmählich im Wachholder empor.

Bobby James hatten wir 2x. Die zweite Pflanze hatte in diesem Jahr schon etwas unter der Mirabelle geblüht. Nur leidet sie dort auch unter Mehltau. Aber irgendwann, in ein paar Jahren, wenn sie die Mirabelle erobert, wird sie sich dort bestimmt gut entwickeln.

Alfred Carrier konnte uns bis jetzt noch nicht so sehr begeistern. Da gibt es noch so viele weiße Rambler auf der Wunschliste...

Außerdem steht in dem Bereich auch noch das Ettenbühler Glöckchen, was aber noch ein paar Jahre benötigt. Und neben der Mauer legt White Flight jetzt richtig los. Wahrscheinlich entert sie in ein paar Jahren die Sauerkirsche ...

Barbara hat gesagt…

Liebe Silke, ich bin ganz gespannt wie sich bei euch die Veilchenblau entwickelt. Diese steht seit zwei Jahren in meinem Garten und will einfach nicht so recht. Vielleicht passt ihr auch nicht, dass sie etwas lieblos am Rande des Gemüsebeetes gepflanzt wurde ;-). Wenn sie nächstes Jahr keinen Wachstumsschub bekommt, muss sie raus! Die Anemone Whirlwind habe ich dieses Jahr zum dritten Mal gepflanzt, so nach dem Motto "aller guten Dinge sind drei". Mir gefällt sie so sehr, dass ich nun jeder Schnecke, die sich ihr nähern will, den Krieg erklären werde! Die Souvenir de la Malmaison ist eine wunderschöne Diva, aber die Dame will auch nicht so recht wachsen und ist immer beleidigt wenn es regnet (und das war dieses Jahr häufig der Fall). Aber ich gebe nicht auf, sie bekommt anfangs 2009 mal etwas Dünger und dann hoffe ich....Bobby James liebe ich sehr, eine problemlose und sehr dankbare Rose (sie wächst an meinem Zwetschgenbaum und hat sich trotz Wurzeldruck mit dem Baum arrangiert).
Liebe Grüsse,
Barbara (die eine Menge posts nachlesen muss/darf)