Freitag, 28. September 2007

Alles eine Frage der Sichtweise ...



Boule de Neige - Noisette-Hybride, Lacharme 1867

Bilder einer Rose im September ...












... und ihr trauriger Gesamteindruck:

Blüten mit braunen Flecken auf schneeweißem Grund.

Mit Blattkrankheiten befallene Blätter.

Dünne Stengel, die unter der Last der Blüten abknicken.

Verwelkende Blütenblätter bleiben am Strauch.

Immer wieder die schwarzen Flecken auf den Blättern.

Der Sternrusstau begleitete sie das ganze Jahr.

Ihre Blätter werden gelb und fallen ab.

Junge frische Triebe vertrocknen ganz plötzlich.

Und trotzdem bringt sie unermüdlich neue Austriebe ...

und zahlreiche Blütenknospen hervor.

Diese Rhododendron-Zikade ist wohl nur auf
der Durchreise ...

und wenig später vom Rosenblatt verschwunden.

Es gibt aber auch frische grüne Blätter an gesunden Trieben
und herrlich duftende Blüten. Zum Glück haben wir ihr damals
einen Standort gegeben, an dem wir ihren betörenden Duft
sehr gut wahrnehmen können. Ihre verwelkten Blüten und
befallenen Triebe sind leicht zu erreichen und die teilweise
kahlen Zweige und der lichte Wuchs werden von den umgebenden
Pflanzen verdeckt. Die dicht gepflanzten Sträucher geben der
Rose zusätzlichen Halt. Wahrscheinlich ist die Boule de Neige
als eine alte Rose aus dem milden Klima Frankreichs für unseren
rauhen und regenreichen Norden nur bedingt geeignet. Wenn sie
unsere einzige weiße Rose im Garten wäre, wären wir inzwischen
verzweifelt. Aber so freuen wir uns an ihren dicht gefüllten
Blütenpompoms und verdecken normalerweise liebevoll
ihre Schwächen.










Fotos: S.Schneider & W.Hein



Kommentare:

Margit hat gesagt…

Sehr schön die langsame Annäherung an das Erblühen, das Herantasten an das Gesamterscheinungsbild. Wie drastisch dann besonders die vertrockneten Triebe wirken!
Allerdings passt das auch nicht schlecht in die Jahreszeit, in der Pracht und Verfall so nahe beieinander liegen.
Ich bin auch froh, dass bei unseren Rosen Stauden die nackten Beine gekonnt bekleiden und so den Gesamteindruck erheblich verbessern...
Eine schöne Rose übrigens!
Liebe Grüße & ein schönes Wochenende, Margit

Bella hat gesagt…

Iteressante Betrachtungswise. Aber in diesem Jahr sehen fast alle Rosen so aus.
LG Bella

SchneiderHein hat gesagt…

@ Margit / Bella
Leider hat dieses Rose bei uns jedes jahr diese merkwürdigen Eigenschaften und nicht nur im Herbst: Sie treibt engergiegeladen aus, bildet sehr früh zahlreiche Blütenknospen und plötzlich fallen sie ab oder vertrocknen. Es ist auch egal, ob sie pro Woche 2x 5 Liter Wasser bekommt oder nicht. Ich habe in den letzten Jahren wirklich viel mit ihr ausprobiert. Sie ist leider wirklich ein heikeles Pflänzchen, dass an einem sonnigeren Standort bestimmt besser gedeihen würde. Aber sicherlich würde sie dort trotzdem ähnliche Probleme haben - sie ist wohl wirklich nicht für dieses Klima geeignet.
Aber im Gegensatz zu Sisah (mit ihren teilweise kümmernden Austinrosen) stehe ich auf dem Standpunkt, dass Boule de Neige im Garten bleiben darf - nur wir dürfen nicht allzuviel von ihr erwarten und picken uns daher die schönen Seiten ihrer Erscheinung raus.

@ Sisah
Ich hoffe ich habe sie Dir jetzt ausreichend in ihrer Schönheit und mit ihren kleinen Fehlern vorgeführt. Und falls Du sie nun tatsächlich im Garten hast, kannst Du wahrscheinlich weniger von ihr erwarten als von einigen Deiner Austinrosen. Aber vielleicht hast Du ja auch mehr Glück mit ihr!
Bei Lis scheint sie schließlich auch besser auszusehen und zu gedeihen - aber das ist ja auch eine andere Klimazone...

Liebe Grüße Silke

sisah hat gesagt…

Oh, da ist sie ja: der "Schneeball"
Die Krankheitsanfälligkeit in unseren Breiten ist ja bekannt, bedingt durch die Abstammung von der empfindlichen Teerose(Boubon-Rose 'Blanche Lafitte X Teehybride 'Sappho')Aber manche Beschreibungen in Büchern sind so verführerisch, dass man es einfach ausprobieren will. Und die Knospen der deinigen entsprechen auch mehr meinen Vorstellungen dieser Rose: " ...und die kleinen, runden karmesinrot schattierten Knospen öffnen sich zu perfekt geformten Blüten von zarter Frische. Die Blütenblätter biegen sich allmählich zurück und bilden einen Pompon" (D. Austin in Alte+Englische Rosen) Im Buch wird sie als vollkommenste weiße Rose beschrieben. Naja, dass kann ich hier für meinen Garten nicht bestätigen, dem Ideal kommt die 'Madeleine Seltzer' näher.Duft ist mir noch gar nicht bei ihr aufgefallen.
Wenn ich das vor sich hinleidende Laubblattkleid der Rose so betrachte,kommt Mitleid auf und ich frage mich, ob da nicht eine Fungizidbehandlung angebracht wäre

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sisah
Ich habe Boule de Neige den ganzen september lang einfach mal ganz bewußt nur wachsen lassen und mit der Kamera beobachtet. Da mir Dein Post zu den Austin-Rosen doch etwas 'zugesetzt' hat. Normalerweise entferne ich die befallenen Blätter & Triebe, damit sich der Sternrusstau erst gar nicht so sehr ausbreiten kann. Auch entferne ich das Verblühte und schneide sie weiter zurück, um neue Triebe zu fördern.
Also so kümmerlich sieht sie normalerweise nicht aus, wenn ich mich wieder mehr um sie kümmere!

Aber trotzdem ist sie eigentlich nicht für dieses Klima geeignet - so wie einige andere Rosen in unserem Garten. Leider lassen wir uns aber auch allzugern von herrlichen Buchbeschreibungen oder üppigen Container-Rosen verführen...

Wurzerl hat gesagt…

Ach Silke, kann man dieser wunderschönen klassischen Rosenblüte nicht ihre Fehler nachsehen? Du tust es und Du tust recht daran, freue Dich an dem, was sie Dir unter den gegebenen Verhältnissen bieten kann und trauere nicht über das, was in einer anderen Gegend möglich wäre. Und vielleicht, wenn Du Ihr oft genug sagst, daß Du sie magst, wird sie sich den Verhältnissen besser anpassen und Ihr werdet ein perfektes Gespann.
Ein lieber Gruß vom Wurzerl

Daniela hat gesagt…

Du hast vollkommen recht Silke, wenn du die Rose trotzdem in deinem Garten wachsen läßt! Die Blüte entschädigt wirklich die etwas mitgenommenen Blätter und Stengel. Und mit SRT haben wir glaube ich heuer alle zu kämpfen. Wenn so wie bei dir Pflanzen daneben wachsen, die die nackten Stengel ein wenig verdecken, dann ist das ganze nur noch halb so schlimm.

LG und einen schönen Wochenbeginn!
Daniela

Elke hat gesagt…

Ein in Überschrift und Bebilderung schon fast philosophischer Beitrag. Die Blüten sind allerdings sehr schön. Und warum soll es Rosen anders gehen als uns Menschen? Wir sind auch nicht immer nur gut drauf und passen auch nicht in jedes Klima.
Liebe Grüße
Elke

Yolanda Elizabet hat gesagt…

The trouble with many oldfashioned roses is that they are not so disease resistant. The good thing about them is that the flowers are beautiful (love the red buds turning into pure white flowers with a little bit of red lipstick on the edges) and their fragrance is simply wonderful. So continue to cover her weekness and enjoy her stunning beauty!

SchneiderHein hat gesagt…

@ Wurzerl
Ich trauere dem anderen Klima oder anderen Umständen ganz bestimmt nicht nach. Für mich hat der Titel des Postes etwas von dem Glas, das entweder halbvoll oder halbleer ist. Zwar habe ich sie mir im September mal ganz genau angesehen - auch ihre Makel. Aber unter normalen Umständen umsorge ich sie, so dass ihre kleinen Schwachstellen nicht auffallen. Lieber betrachte ich das Positive an ihr, nehme ihren Duft war, freue mich, dass ihr Standort so gewählt ist, dass ich mich gut um sie kümmern kann, dass sie schon so groß geworden ist und so viel Energie hat.
Eigentlich freue ich mich über jede Blüte an unseren 'Rosenkindern' egal ob der Strauch nun prächtig oder etwas muckelig ist.

@ Daniela
Es ist bei uns nicht die einzige Rose, die so mitgenommen aussieht. Aber sie zu Umpflanzen und zu Versäubern finde ich immer noch besser als wegen jedem bischen zu spritzen.

@ Elke
Sehr sinnvolle Bemerkung, der ich gerne zustimme. Ich leide eigentlich jedes Mal, wenn eine Pflanze, egal ob Wachholder oder Strauch, so befallen ist, dass es besser wäre ihn aus dem Garten zu entfernen. Eigentlich möchte ich auch ihnen immer noch eine Chance geben und habe manchmal auch Glück damit.

@ Yolanda
Trotz ihrer Schwächen halten wir auch noch weiter nach alten Rosen Ausschau - sie haben viel mehr Charme!

Barbara hat gesagt…

Eigentlich ist ja alles schon gesagt worden, auch in unserem Gartenn war die Boule de neige eine der Problemrosen. Sie war eine der ersten weissen die ich gepflanzt habe und sie hat auch nur knappe drei Jahre überlebt. Hätte sie so wunderschön und fleissig nachgeblüht wie bei euch, ich hätte wahrscheinlich einen zweiten Versuch gemacht. Aber sie wollte hier einfach nicht heimisch werden...am Standort kann es nicht gelegen haben, bei einer Nachbarin blühte sie bis diesen Sommer ohne Fehl und Tadel....jetzt hat sie ebenfalls STR und beginnt zu mickern.....Vielleicht ist sie einfach etwas wetterfühlig ;-) !!!
Schönen Sonntag!
Barbara